Keine anderen Gesellschaftsgruppen leisten einen solchen nachhaltigen Beitrag für eine gelungene Integration wie die Vereine in Deutschland. Vor allem der Fußball zeigt eindrucksvoll, wie die unterschiedlichsten Kulturen gemeinsam für ein Ziel kämpfen.
Stefan flankt, Hamit legt ab, Dariusz macht das Ding. Auf der Tribüne jubeln Karl und Karim, Maike und Mai-Lin, Dieter und Dimitrij. Wenig vereint so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Hautfarbe, Alter oder sozialer Schicht wie der Sport und insbesondere der Fußball. Mesut Özil und Miroslav Klose haben eines gemeinsam: Beide spielen in der Deutschen Fußballnationalmannschaft und beide haben ausländische Wurzeln. Was auf höchster nationaler Ebene wunderbar funktioniert, setzt sich in tausenden Fußballvereinen Woche für Woche fort und wird in Deutschland in mehr als hunderttausend Mannschaften ständig praktiziert und gelebt. Auf lokaler Ebene ist der SV Oberkirch ein gelungenes Beispiel, wie gemeinsames Kicken künstlich aufgebaute Grenzen spielend wegwischen kann. Zweimal die Woche treffen sich die 22 Jungs der C-Jugend (13 und 14 Jahre) um sich sportlich zu betätigen, Spaß zu haben und um Freundschaften zu pflegen. So versteht sich Abdullah Baykara, dessen Eltern beide aus der Türkei stammen, auch außerhalb des Platzes super mit den anderen Jugendlichen: „Wir sind alle gleich hier, da gibt es keine Ausländer". Die meisten seiner Kameraden mit ausländischen Wurzeln sind sowieso in Deutschland geboren, so dass die Sprache kein Problem darstellt. Kommandos beim Training oder bei Spielen werden daher auf Deutsch gegeben, Grüppchenbildung würde bereits im Keim erstickt werden, wie Jugendkoordinator Thomas Müller erklärt, der zusammen mit Marco Riexinger das Training leitet: „Das ist aber gar nicht nötig. Die Jungs verstehen sich super. Bei uns Trainern zählen Leistung und soziales Verhalten, alle werden gleich behandelt." Fußballspielen beim SV Oberkirch, macht allen Befragten „viel Spaß", wie beispielsweise Vlado Sevcenko betont. Er fühle sich genauso wohl hier wie Osman Muratovic, der sogar glaubt im „deutschen Fußball" mehr lernen zu können, als in seiner serbischen Heimat. Auch der Halbspanier Simon Riexinger und der Halbgrieche Yannik Papadatos leugnen ihre Wurzeln nicht, sind aber beide in Deutschland aufgewachsen und fühlen sich beim SVO gut aufgehoben. Letzterer ist sogar erst kürzlich vom Offenburger FV zu seinem Heimatverein zurückgekehrt. „Wir haben im Verein rund 25 Prozent Ausländer, das ist ein Querschnitt unserer Gesellschaft. Als Integrationsmaßnahme ist der Breitensport Fußball effektiver als jedes staatliche Förderprogramm", meint Martin Hetzel, Vorsitzender des SVO. Hervorheben möchte er die Arbeit des neuen Jugendleiters Michael Nicolai und des erstmals eingeführten Integrationsbeauftragten Sedat Temurlenk. Dieser ergänzt: „Es gibt so viele Ausländer in den Vereinen, wie nie zuvor. Ich denke wir sind auf einem guten Weg, aber man kann noch viel verbessern". Er sieht sich als Bindeglied zwischen den Jugendlichen und dem Verein, aber auch als Diskussionspartner mit den Eltern. Diese seien aufgefordert, Engagement im Verein, aber auch in der eigenen Familie zu übernehmen. „Durch gemeinsames Gewinnen und Verlieren integrieren sich die Jugendlichen automatisch", so Temurlenk. Doch auch die deutsche Kinder profitieren von einer Multi-Kulti-Mannschaft, wie die beiden „Einheimischen" Jonas Kimmig und Sven Fritsch bestätigen: „Es wäre ja langweilig, nur mit Deutschen zu spielen". Fazit: Neue Kulturen werden kennen gelernt und Vorurteile gar nicht erst aufgebaut.